Der Urlaub ist vorbei, die Koffer sind ausgepackt und der Alltag hat uns wieder. Während wir uns in den Ferien vielleicht viel bewegt, lange Spaziergänge gemacht oder einfach mehr Zeit an der frischen Luft verbracht haben, verbringen wir jetzt wieder viele Stunden am Schreibtisch oder im Auto. Und plötzlich meldet sich auch der Rücken zurück.
Doch warum treten Rückenschmerzen ausgerechnet nach dem Urlaub wieder auf? Und was können wir tun, um möglichst viel von der Erholung mit in den Alltag zu nehmen?
Warum der Rücken nach dem Urlaub wieder schmerzen kann
Im Urlaub sieht unser Tagesablauf häufig ganz anders aus als zu Hause. Wir bewegen uns mehr, wechseln häufiger die Position und verbringen weniger Zeit vor dem Bildschirm. Gleichzeitig fallen manche Belastungen des Berufsalltags weg.
Mit der Rückkehr an den Arbeitsplatz ändern sich diese Gewohnheiten oft schlagartig. Statt Spaziergängen stehen wieder lange Besprechungen, Bildschirmarbeit und Autofahrten auf dem Programm.
Für unseren Rücken bedeutet das eine Umstellung. Vor allem die Muskulatur kann auf die veränderte Belastung mit Verspannungen und Beschwerden reagieren.
Das bedeutet allerdings nicht, dass langes Sitzen grundsätzlich schädlich ist. Entscheidend ist häufig, wie lange wir in derselben Position bleiben und wie viel Bewegung wir insgesamt in unseren Alltag einbauen.

Dr. Peter Krause
Facharzt für Orthopädie – Sportmedizin
Chirotherapie – Naturheilverfahren
Zurück am Schreibtisch – wenn Bewegung zu kurz kommt
Viele Menschen verbringen einen großen Teil ihres Arbeitstages im Sitzen. Dabei ist es weniger die eine falsche Sitzposition, die Probleme bereitet. Vielmehr kann es unangenehm werden, wenn wir über längere Zeit nahezu unbeweglich bleiben.
Die Rückenmuskulatur wird dann über Stunden einseitig beansprucht. Hinzu kommt, dass wir bei konzentrierter Arbeit häufig gar nicht bemerken, wie lange wir bereits in derselben Haltung sitzen.
Die gute Nachricht: Sie müssen nicht gleich Ihren gesamten Arbeitsplatz umgestalten. Oft helfen schon kleine Veränderungen.
Stehen Sie zwischendurch auf, gehen Sie ein paar Schritte oder wechseln Sie regelmäßig Ihre Sitzposition. Auch ein Telefonat im Stehen oder ein kurzer Spaziergang in der Mittagspause bringen wieder Bewegung in den Arbeitstag.
Die beste Sitzposition ist häufig die nächste. Denn unser Rücken mag Abwechslung.
Ein bisschen Urlaubsbewegung in den Alltag retten
Im Urlaub fällt uns Bewegung oft leichter. Wir erkunden neue Orte, gehen zu Fuß zum Restaurant oder unternehmen spontan einen Ausflug. Zurück zu Hause fehlt dafür vermeintlich die Zeit.
Dabei muss Bewegung nicht immer mit Sport verbunden sein. Schon kleine Gewohnheiten können helfen, im Alltag aktiver zu bleiben.
Ein paar einfache Möglichkeiten:
- Kurze Strecken öfter zu Fuß zurücklegen.
- Die Treppe statt des Aufzugs nehmen.
- In der Mittagspause einen kleinen Spaziergang machen.
- Bei längerer Schreibtischarbeit regelmäßig aufstehen.
- Nach Feierabend noch eine Runde an die frische Luft gehen.
Wichtig ist nicht, möglichst viel auf einmal zu schaffen. Regelmäßige Bewegung, die sich gut in den Alltag integrieren lässt, ist langfristig meist sinnvoller als ein überambitioniertes Trainingsprogramm, das nach wenigen Tagen wieder aufgegeben wird.
Auch der Kopf spielt eine Rolle
Im Urlaub haben wir häufig mehr Zeit für uns selbst. Termine, berufliche Verpflichtungen und alltägliche Sorgen treten zumindest vorübergehend in den Hintergrund.
Nach der Rückkehr kann sich das schnell ändern. Der Terminkalender füllt sich, E-Mails warten und der gewohnte Zeitdruck ist wieder da.
Stress verursacht nicht automatisch Rückenschmerzen. Er kann jedoch dazu beitragen, dass wir unsere Muskulatur stärker anspannen, schlechter schlafen oder bestehende Beschwerden intensiver wahrnehmen.
Deshalb lohnt es sich, auch im Alltag bewusst kleine Erholungspausen einzuplanen. Ein Spaziergang, etwas Bewegung oder einfach ein paar Minuten Abstand vom Bildschirm können bereits guttun.
Wenn die Rückenschmerzen nicht wieder verschwinden
Nicht jeder Rückenschmerz nach dem Urlaub lässt sich durch veränderte Bewegungsgewohnheiten oder Verspannungen erklären.
Wenn Beschwerden über längere Zeit bestehen bleiben, stärker werden oder immer wieder auftreten, sollte die Ursache genauer untersucht werden. Das gilt besonders, wenn Schmerzen in die Beine ausstrahlen oder zusätzlich Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Muskelschwäche auftreten. Bei neu auftretenden Lähmungen oder Störungen der Blasen- oder Darmfunktion ist eine sofortige medizinische Abklärung erforderlich.
Im Wirbelsäulen-Institut München legen wir deshalb großen Wert auf eine sorgfältige Diagnostik. Denn erst wenn wir wissen, woher die Beschwerden kommen, können wir entscheiden, welche Behandlung wirklich sinnvoll ist.
Mein Fazit: Nehmen Sie ein Stück Urlaub mit in den Alltag
Natürlich können wir nicht das ganze Jahr im Urlaub sein. Aber einige der guten Gewohnheiten aus den Ferien lassen sich durchaus beibehalten.
Mehr Bewegung, regelmäßige Pausen und ein bewussterer Umgang mit den eigenen Belastungsgrenzen können dazu beitragen, den Rücken auch im Berufsalltag beweglich und belastbar zu halten.
Und vielleicht ist genau das der beste Vorsatz nach dem Urlaub: Nicht erst auf die nächsten Ferien warten, um dem eigenen Rücken etwas Gutes zu tun.
Ihr
Dr. med. Peter Krause