Wer Rückenschmerzen hat, versucht häufig ganz automatisch, den Rücken zu schonen. Bewegungen, die unangenehm sind, werden vermieden, sportliche Aktivitäten erst einmal eingestellt und im Alltag versucht man, sich möglichst wenig zu belasten. Gerade bei akuten Schmerzen ist dieses Verhalten verständlich.
Doch vollständige Schonung ist bei Rückenschmerzen längst nicht immer die beste Lösung. In vielen Fällen ist angepasste Bewegung sogar ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Entscheidend ist allerdings, woher die Schmerzen kommen. Denn genauso wenig wie sich jeder Rückenschmerz gleich behandeln lässt, gibt es eine Bewegungsempfehlung, die für jeden Patienten gleichermaßen geeignet ist.
Warum wir bei Schmerzen automatisch eine Schonhaltung einnehmen
Schmerzen haben zunächst eine wichtige Schutzfunktion. Sie signalisieren unserem Körper, dass etwas nicht stimmt. Die natürliche Reaktion darauf ist, Bewegungen zu vermeiden, die Schmerzen verursachen.
Kurzzeitig kann das durchaus sinnvoll sein. Problematisch wird es, wenn aus der vorübergehenden Schonung ein dauerhaftes Bewegungsverhalten entsteht. Wer seinen Rücken über längere Zeit kaum belastet, verliert Muskelkraft und Beweglichkeit. Gleichzeitig können sich Schonhaltungen entwickeln, durch die andere Bereiche des Bewegungsapparates stärker beansprucht werden.
So kann ein Kreislauf entstehen: Schmerzen führen zu weniger Bewegung, weniger Bewegung schwächt den Rücken und die Beschwerden können sich weiter verfestigen.

Dr. Peter Krause
Facharzt für Orthopädie – Sportmedizin
Chirotherapie – Naturheilverfahren
Warum Bewegung dem Rücken häufig guttut
Unsere Wirbelsäule ist für Bewegung gemacht. Muskeln stabilisieren den Rücken, Gelenke benötigen Bewegung und auch die Bandscheiben profitieren vom regelmäßigen Wechsel zwischen Be- und Entlastung.
Bei vielen unspezifischen oder muskulär bedingten Rückenschmerzen ist es deshalb sinnvoll, den normalen Alltag möglichst beizubehalten und sich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu bewegen.
Dabei muss es keineswegs intensiver Sport sein. Bereits regelmäßiges Gehen, leichte Übungen oder häufigere Positionswechsel können helfen, den Rücken wieder in Bewegung zu bringen.
Wichtig ist dabei: Bewegung bedeutet nicht, starke Schmerzen ignorieren oder gegen sie anzutrainieren.
Welche Bewegung ist bei Rückenschmerzen sinnvoll?
Welche Aktivität geeignet ist, hängt von den Beschwerden, der körperlichen Verfassung und vor allem von der Ursache der Schmerzen ab.
Für viele Patientinnen und Patienten können beispielsweise folgende Aktivitäten sinnvoll sein:
- Spaziergänge und regelmäßiges Gehen
- leichte Mobilisationsübungen
- häufige Positionswechsel bei sitzender Tätigkeit
- individuell angepasste Kräftigungsübungen
- Physiotherapie und gezielter Muskelaufbau
- gelenk- und rückenschonende Sportarten
Statt sich nach einem starren Trainingsplan zu richten, sollte die Belastung langsam gesteigert werden. Eine Bewegung, die deutliche oder zunehmende Schmerzen verursacht, sollte nicht einfach erzwungen werden.
Wann ist Schonung trotzdem sinnvoll?
Auch wenn Bewegung bei Rückenschmerzen häufig empfohlen wird, gibt es Situationen, in denen zunächst eine Entlastung notwendig sein kann. Das gilt beispielsweise nach akuten Verletzungen oder bei bestimmten Erkrankungen der Wirbelsäule.
Auch plötzlich auftretende sehr starke Schmerzen sollten nicht einfach „wegtrainiert“ werden.
Besondere Aufmerksamkeit ist erforderlich, wenn zusätzlich Taubheitsgefühle, Kribbeln, Muskelschwäche oder Lähmungserscheinungen auftreten. Auch Störungen der Blasen- oder Darmfunktion in Verbindung mit starken Rückenschmerzen müssen umgehend medizinisch abgeklärt werden.
Erst die Ursache verstehen, dann gezielt bewegen
„Mehr Bewegung“ ist deshalb für mich keine ausreichende Diagnose und auch keine Therapieempfehlung, die für jeden Patienten passt.
Ein Bandscheibenvorfall kann andere Anforderungen an Bewegung und Belastung stellen als Beschwerden der Facettengelenke, des Iliosakralgelenks oder eine muskuläre Ursache. Bei länger bestehenden oder immer wiederkehrenden Rückenschmerzen sollte daher zunächst geklärt werden, welche Struktur tatsächlich für die Beschwerden verantwortlich ist.
Im Wirbelsäulen-Institut München nehmen wir uns deshalb Zeit für eine umfassende Untersuchung und berücksichtigen vorhandene Befunde und Bildgebung. Erst auf dieser Grundlage lässt sich entscheiden, welche Behandlung sinnvoll ist und welche Form der Bewegung den individuellen Heilungsverlauf unterstützen kann.
Mein Fazit: Nicht möglichst wenig, sondern möglichst richtig bewegen
Rückenschmerzen bedeuten in den meisten Fällen nicht, dass Bewegung grundsätzlich vermieden werden muss. Im Gegenteil: Eine angemessene Aktivität kann dazu beitragen, Beweglichkeit und Muskulatur zu erhalten und den Weg zurück in einen normalen Alltag zu unterstützen.
Pauschale Empfehlungen helfen jedoch nur begrenzt. Entscheidend ist immer die Ursache der Beschwerden. Wer starke, ungewöhnliche oder länger anhaltende Rückenschmerzen hat, sollte diese deshalb zunächst sorgfältig untersuchen lassen.
Denn am Ende geht es nicht darum, ob Sie sich bewegen dürfen, sondern darum, wie Sie sich für Ihren Rücken richtig bewegen.
Ihr
Dr. med. Peter Krause