Wer unter chronischen Rücken- oder Gelenkschmerzen leidet, stößt früher oder später auf den Begriff „Denervierung“. Für viele Patientinnen und Patienten klingt das zunächst kompliziert oder sogar beunruhigend. Tatsächlich handelt es sich jedoch um ein seit vielen Jahren bewährtes Verfahren der modernen Schmerztherapie.
Doch was genau passiert bei einer Denervierung – und für wen kommt sie überhaupt infrage?
Wenn Schmerzen chronisch werden
Akute Schmerzen haben eine wichtige Funktion: Sie warnen den Körper vor einer Verletzung oder Überlastung.
Problematisch wird es, wenn Schmerzen über Monate oder sogar Jahre bestehen bleiben. Häufig sind dann bestimmte Gelenke oder Nervenstrukturen dauerhaft gereizt und senden immer wieder Schmerzsignale an das Gehirn.
Typische Beispiele sind:
- Verschleißbedingte Schmerzen der kleinen Wirbelgelenke (Facettengelenke)
- Chronische Beschwerden des Iliosakralgelenks (ISG)
- Bestimmte Formen von Nacken- oder Rückenschmerzen
- Chronische Steißbeinschmerzen (Coccygodynie)
In solchen Fällen kann eine Denervierung eine sinnvolle Behandlungsoption sein.

Dr. Peter Krause
Facharzt für Orthopädie – Sportmedizin
Chirotherapie – Naturheilverfahren
Was bedeutet Denervierung?
Bei einer Denervierung werden gezielt jene kleinen Nervenfasern behandelt, die für die Weiterleitung von Schmerzsignalen verantwortlich sind.
Wichtig zu wissen: Dabei handelt es sich nicht um Nerven, die Muskeln steuern oder für Bewegungen zuständig sind. Ziel ist ausschließlich die Unterbrechung der Schmerzweiterleitung.
Durch die Behandlung kann die betroffene Struktur weiterhin normal funktionieren – die ständigen Schmerzsignale werden jedoch deutlich reduziert oder bleiben ganz aus.
Wie läuft eine Denervierung ab?
Die Behandlung erfolgt minimalinvasiv unter bildgebender Kontrolle, meist mit Hilfe eines Röntgengeräts.
Über spezielle Nadeln werden die betroffenen Nervenfasern präzise lokalisiert. Anschließend erfolgt die Behandlung mittels Radiofrequenzenergie. Dabei entsteht kontrollierte Wärme, durch die die schmerzleitenden Nervenfasern gezielt verödet werden.
Der Eingriff dauert in der Regel nur wenige Minuten und kann ambulant durchgeführt werden.
Wann ist eine Denervierung sinnvoll?
Eine Denervierung kommt meist dann infrage, wenn:
- Beschwerden bereits über längere Zeit bestehen
- konservative Maßnahmen keine ausreichende Besserung gebracht haben
- Infiltrationen zwar helfen, die Wirkung aber nur vorübergehend anhält
- die Schmerzursache eindeutig identifiziert wurde
Entscheidend ist dabei die richtige Diagnostik. Nicht jeder Rückenschmerz eignet sich für eine Denervierung.
Wie lange hält die Wirkung an?
Die Wirkung ist individuell unterschiedlich.
Viele Patientinnen und Patienten profitieren über Monate oder sogar mehrere Jahre von einer deutlichen Schmerzlinderung. Da sich Nervenfasern im Laufe der Zeit regenerieren können, ist eine erneute Behandlung in manchen Fällen möglich und sinnvoll.
Die richtige Diagnose bleibt entscheidend
Im Wirbelsäulen-Institut München betrachten wir die Denervierung nicht als Standardlösung für jeden Schmerz. Sie ist vielmehr ein Baustein innerhalb eines individuellen Behandlungskonzepts.
Vor jeder Denervierung steht deshalb eine sorgfältige Untersuchung mit dem Ziel, die tatsächliche Schmerzquelle möglichst genau zu identifizieren.
Denn wie bei allen modernen Therapieverfahren gilt auch hier unser Grundsatz:
„So wenig invasiv, aber so effektiv wie möglich.“
Unser Fazit
Die Denervierung ist ein seit vielen Jahren etabliertes Verfahren zur Behandlung bestimmter chronischer Schmerzsyndrome. Richtig eingesetzt kann sie eine wirksame Alternative zu dauerhaftem Medikamentengebrauch oder größeren operativen Eingriffen darstellen.
Ob eine Denervierung in Ihrem Fall sinnvoll ist, lässt sich jedoch nur nach einer individuellen Untersuchung und Diagnostik beurteilen.
Ihr
Dr. med. Peter Krause